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Diabetes ist kein Schicksal: Was bei Insulinresistenz & Typ-2-Diabetes wirklich hilft

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© KI generiert

Veröffentlicht am 17.04.2026

Diabetologe und Bestseller-Autor Dr. med. Winfried Keuthage erklärt, warum Ernährung der entscheidende Hebel bei Insulinresistenz ist – und was Sie konkret tun können.

Wissen auf einen Blick

  • Über 8 Millionen Menschen in Deutschland leben mit Typ-2-Diabetes – Tendenz steigend.
  • Hauptursache ist Insulinresistenz, ausgelöst durch Fetteinlagerung in der Leber.
  • Bereits 5–10 % Gewichtsabnahme kann den Blutzucker massiv verbessern.
  • Hafer-Beta-Glucan verlangsamt die Zuckeraufnahme ins Blut – Blutzuckerspitzenfallen flacher aus.
  • Täglich 3–4 g Hafer-Beta-Glucan empfohlen (entspricht ca. 8–10 EL Haferflocken).
  • HAWEI-Methode = Hafer + Eiweiß: kombiniert blutzuckerstabilisierende und sättigende Wirkung
  • Protein-Leverage-Hypothese: Ohne ausreichend Eiweiß sucht der Körper weiter nach Nahrung → Heißhunger
  • Krafttraining ist genauso wichtig wie Ausdauer: Muskeln sind die wichtigsten Glukoseverbraucher.

Inhaltsverzeichnis

  • Was ist Insulinresistenz – und wie entsteht sie?
  • Blutzuckerwerte verstehen: Normal, Prä-Diabetes, Diabetes
  • HbA1c: Der Langzeit-Blutzuckerwert einfach erklärt
  • Glykämischer Index: Welche Lebensmittel den Blutzucker belasten
  • Hafer und Beta-Glucan: Warum dieses Getreide so besonders ist
  • Stress und Schlaf als unterschätzte Blutzucker-Faktoren
  • 5 Alltagstipps für einen stabilen Blutzucker
  • Im Gespräch mit Dr. Keuthage
  • HAWEI-Shake: Therapeutisch wirksame Dosis leicht integriert
  • Ginseng bei Diabetes
  • Das Wichtigste auf einen Blick
  • FAQs zu Insulinresistenz und Diabetes

Über den Experten

Dr. med. Winfried Keuthage ist Diabetologe, Ernährungsmediziner und Bestsellerautor. Er hat die HAWEI-Methode entwickelt und in Zusammenarbeit mit dem Hersteller Dr. Wolz ein Produkt auf dieser Basis mitentwickelt. In seinem Buch "Abnehmen mit der HAWEI-Methode" beschreibt er sein Ernährungskonzept, das auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert.

Was ist Insulinresistenz – und wie entsteht sie?

Insulin ist ein Hormon der Bauchspeicheldrüse. Seine Aufgabe: Es öffnet die Körperzellen für Glukose aus dem Blut, sodass diese als Energie genutzt werden kann. Bei einer Insulinresistenz reagieren die Zellen zunehmend schlechter auf dieses Signal.

Die häufigste Ursache ist Fett, das sich über die Jahre in der Leber einlagert – ausgelöst durch dauerhaftes Kalorienplus, wenig Bewegung und zu viele schnelle Kohlenhydrate. Eine verfettete Leber sendet falsche Signale an die Bauchspeicheldrüse: Diese produziert daraufhin immer mehr Insulin. Irgendwann ist dieser Mechanismus erschöpft, der Blutzucker bleibt chronisch erhöht – Prä-Diabetes, und später Typ-2-Diabetes, entstehen.

Typische Anzeichen einer Insulinresistenz

  • Müdigkeit und Energietiefs nach dem Essen
  • Heißhungerattacken, besonders auf Süßes
  • Gewichtszunahme vor allem am Bauch
  • Erhöhte Nüchternblutzuckerwerte
  • Schwierigkeiten beim Abnehmen trotz Diät

Blutzuckerwerte verstehen: Normal, Prä-Diabetes, Diabetes

Blutzucker wird in Milligramm pro Deziliter (mg / dl) oder Millimol pro Liter (mmol / l) gemessen. Die wichtigsten Messzeitpunkte sind der Nüchternwert (morgens vor dem Frühstück, mindestens acht Stunden nach der letzten Mahlzeit) und der Wert zwei Stunden nach einer Mahlzeit.

KategorieNüchternwert2 h nach Mahlzeitmmol/l nüchtern
Normal< 100 mg/dl< 140 mg/dl< 5,6 mmol/l
Prä-Diabetes100–125 mg/dl140–199 mg/dl5,6–6,9 mmol/l
Diabetes≥ 126 mg/dl≥ 200 mg/dl≥ 7,0 mmol/l

Quelle: WHO / Deutsche Diabetes Gesellschaft. Diese Tabelle dient der allgemeinen Information – für eine Diagnose wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.

HbA1c: Der Langzeit-Blutzuckerwert einfach erklärt

Während der Blutzucker nur eine Momentaufnahme zeigt, gibt der HbA1c-Wert Auskunft über die durchschnittliche Blutzuckerbelastung der vergangenen zwei bis drei Monate. Der Wert misst, wie viel Zucker sich an den roten Blutkörperchen (Hämoglobin) angelagert hat – und gilt deshalb als einer der aussagekräftigsten Marker für die Blutzuckerkontrolle.

BewertungHbA1c in %HbA1c in mmol/mol
Normal< 5,7 %< 39 mmol / mol
Erhöht / Risiko5,7 - 6,4 %39–46 mmol / mol
Diabetes≥ 6,5 %≥ 48 mmol / mol

Der HbA1c wird in der Regel alle drei Monate beim Arzt gemessen. Anders als der Blutzucker lässt er sich nicht durch eine einzelne Mahlzeit beeinflussen – er spiegelt das große Bild wider. Wer seine Ernährung und Bewegungsgewohnheiten ändert, sieht die Auswirkungen im nächsten HbA1c-Wert.

Glykaemischer Index: Welche Lebensmittel den Blutzucker belasten

Der Glykaemische Index (GI) gibt an, wie schnell ein kohlenhydrathaltiges Lebensmittel den Blutzucker ansteigen lässt – gemessen im Vergleich zu reinem Traubenzucker (Referenzwert 100). Je höher der GI, desto schneller steigt der Blutzucker, desto mehr Insulin wird ausgeschüttet – und desto schneller folgt das nächste Energietief.

GI-BereichBewertungBedeutung
< 55Niedrig – gut geeignetBlutzucker steigt langsam und gleichmäßig an – ideal für Diabetiker und Menschen mit Insulinresistenz
55 - 70Mittel – in MaßenMäßiger Anstieg, in Kombination mit Eiweiß oder Ballaststoffen gut integrierbar
> 70Hoch – möglichst meidenSchnelle Blutzuckerspitzen und starke Insulinausschüttung – begünstigt Heißhunger und Insulinresistenz

Lebensmittel mit hohem GI (> 70)

  • Weißmehlprodukte: Weißbrot, Baguette, Toast, Croissants und helles Gebäck enthalten kaum Ballaststoffe und lassen den Blutzucker besonders schnell ansteigen.
  • Zuckerhaltige Lebensmittel & Getränke: Süßigkeiten, Honig, Marmelade und gezuckerte Frühstückcerealien wie Cornflakes – aber auch Softdrinks, Limonaden, Energy-Drinks und Fruchtsäfte – gehören zu den stärksten Blutzuckertreibern. Flüssiger Zucker wird noch schneller aufgenommen als fester.
  • Bestimmte Kartoffelprodukte: Pommes Frites, Kartoffelpuree (besonders Instant), gebackene Kartoffeln und Chips. Gekochte Kartoffeln, die abgekühlt werden, haben dagegen einen deutlich niedrigeren GI – die Abkühlung bildet resistente Stärke, die langsamer verdaut wird.
  • Stark verarbeiteter Reis & bestimmtes Obst: Polierter weißer Reis und Reiswaffeln sowie überreife Bananen, Weintrauben und Trockenfruchte wie Datteln haben einen hohen GI. Beim Obst gilt: Je reifer, desto mehr Zucker ist verfügbar.

Lebensmittel mit niedrigem GI (< 55) – beste Wahl

  • Hülsenfrüchte: Linsen, Kichererbsen, Bohnen und Erbsen sind besonders empfehlenswert: niedriger GI, hoher Eiweiß- und Ballaststoffgehalt, lang anhaltende Sättigung.
  • Vollkornprodukte: Vollkornbrot mit ganzen Körnern, Haferflocken und Naturreis. Wichtig: Nur echtes Vollkorn zählt – viele als „Vollkorn“ vermarktete Produkte enthalten hauptsächlich Weißmehl mit etwas zugesetzten Kleieanteil.
  • Gemüse: Die meisten Gemüsesorten haben einen sehr niedrigen GI: Blattgemüse, Tomaten, Paprika, Zucchini, Karotten. Gemüse ist zudem reich an Ballaststoffen, die die Verdauung aller anderen Mahlzeitenbestandteile verlangsamen.
  • Ballaststoffreiches Obst: Äpfel, Birnen, Beeren und Zitrusfrüchte haben deutlich weniger Einfluss auf den Blutzucker als tropische Früchte oder Trockenobst.
  • Eiweiß und gesunde Fette: Eier, Fisch, Nüsse sowie ungesüßte Milchprodukte wie Joghurt und Quark belasten den Blutzucker kaum. Sie sind keine Kohlenhydratquellen, beeinflussen aber – in Kombination mit anderen Lebensmitteln – den gesamten Blutzuckeranstieg der Mahlzeit positiv.

Was den GI einer Mahlzeit zusätzlich beeinflusst

Der GI ist kein fixer Wert – er verändert sich je nach Zubereitung und Kombination. Mit diesen drei Strategien lässt sich der Blutzuckereffekt jeder Mahlzeit gezielt senken:

  • Kombinieren: Kohlenhydrate immer mit Eiweiß, gesunden Fetten oder Ballaststoffen essen – zum Beispiel Obst mit Nüssen oder Haferbrei mit Quark. Das verlangsamt die Verdauung der gesamten Mahlzeit erheblich.
  • Reihenfolge einhalten: Zuerst Ballaststoffe (Salat, Gemüse), dann Eiweiß und Fette, zuletzt Kohlenhydrate. Studien zeigen, dass diese Reihenfolge den Blutzuckeranstieg nach der Mahlzeit deutlich dämpft.
  • Verarbeitungsgrad beachten: Je weniger verarbeitet und je bissfester ein Lebensmittel, desto niedriger der GI. Pasta al dente statt weich gekocht, ganze Haferflocken statt Instant-Porridge – jede Verarbeitungsstufe erhöht den GI.

GI vs. Glykaemische Last (GL): Was ist der Unterschied?

Der GI bewertet Lebensmittel isoliert. Die Glykaemische Last (GL) berücksichtigt zusätzlich die tatsächlich verzehrte Menge an Kohlenhydraten pro Portion – und ist damit im Alltag oft aussagekräftiger.

Beispiel: Wassermelone hat einen hohen GI (72), aber eine niedrige GL – weil eine typische Portion kaum Kohlenhydrate enthält. Weissbrot hat sowohl einen hohen GI als auch eine hohe GL. Für Menschen mit Insulinresistenz ist es sinnvoll, beide Werte im Blick zu behalten.

Hafer und Beta-Glucan: Warum dieses Getreide so besonders ist

Hafer enthält einen löslichen Ballaststoff namens Beta-Glucan, der im Magen-Darm-Trakt eine gelartige Schicht bildet. Diese verlangsamt die Aufnahme von Zucker ins Blut – der Blutzucker steigt nach einer haferhaltigen Mahlzeit deutlich flacher an als nach vergleichbaren Mahlzeiten ohne Hafer.

Beta-Glucan aus Hafer trägt dazu bei, den Blutzuckerspiegel nach dem Essen weniger stark ansteigen zu lassen. Außerdem kann der regelmäßige Verzehr von Hafer-Beta-Glucan dazu beitragen, einen normalen Cholesterinspiegel im Blut aufrechtzuerhalten – ein wichtiger Faktor, da Menschen mit Insulinresistenz oft gleichzeitig erhöhte Blutfettwerte haben.

Zusätzlich macht Hafer lange satt, liefert pflanzliches Eiweiß, B-Vitamine, Magnesium und Eisen. Für eine spürbare Wirkung werden täglich 3 - 4 g Beta-Glucan empfohlen – das entspricht ungefähr 60 - 70 g Haferflocken (ca. 8 - 10 gehäufte Esslöffel).

Hafer im Alltag nutzen

  • Porridge / Haferbrei zum Frühstück – mit Beeren und einem Klecks Quark (extra Eiweiß)
  • Hafermehl anteilig in Backrezepten verwenden
  • Haferflocken in Smoothies einrühren
  • Herzhafte Hafersuppe oder Hafer-Gemüsebrei als Mittagsmahlzeit
  • HAWEI-Shake als praktische Alternative, wenn die Tagesdosis über Essen allein schwer zu erreichen ist
Pflaumen-Hafer-Smoothie Rezept

Stress und Schlaf: zwei unterschätzte Einflussfaktoren

Stress erhöht den Blutzucker direkt

Unter Stress schüttet der Körper Cortisol und Adrenalin aus – beides Hormone, die den Blutzucker erhöhen. Das war evolutionär sinnvoll: Der Körper stellt sofort Energie bereit. Wer dauerhaft unter Druck steht, hat chronisch erhöhte Cortisolwerte – und damit einen dauerhaft höheren Blutzucker, unabhängig von der Ernährung.

Wer Heißhunger auf Süßes vor allem in stressigen Phasen kennt, erlebt genau diesen Mechanismus. Bitterstoffe, regelmäßige Pausen und Achtsamkeit können helfen, den Cortisolspiegel zu senken.

Schlafmangel stört die Insulinwirkung

Wer regelmäßig weniger als sieben Stunden schläft, entwickelt nachweislich eine schlechtere Insulinsensitivität. Schon eine Nacht mit zu wenig Schlaf kann die Insulinwirkung merklich verschlechtern. Gleichzeitig steigt der Appetit auf Kalorien- und zuckerreiche Lebensmittel, da Schlafmangel die Hungerhormon-Balance (Ghrelin und Leptin) verschiebt.

Schlafqualität verbessern – drei einfache Maßnahmen

  • Feste Schlaf- und Aufwachzeiten auch am Wochenende einhalten
  • Letzte große Mahlzeit mindestens zwei bis drei Stunden vor dem Schlafen
  • Bildschirmzeit vor dem Schlafengehen reduzieren: Blaulicht hemmt die Melatonin-Produktion

5 Tipps für einen stabilen Blutzucker im Alltag

Konkret empfiehlt Dr. Keuthage drei Kernschritte – ergänzt um weitere bewährte Alltagsstrategien:

  • Täglich Hafer: Integrieren Sie Hafer so, dass Sie auf mindestens 4 g Hafer-Beta-Glucan täglich kommen – über Porridge, Rezepte oder praktische Shakes.
  • Jede Mahlzeit mit Eiweiß: Quark, Hülsenfrüchte, Fisch, Eier oder mageres Fleisch – Eiweiß bremst den Blutzuckeranstieg und schützt vor Heißhunger.
  • Bewegung nach dem Essen: Bereits ein kurzer Spaziergang von fünf bis zehn Minuten nach der Mahlzeit hilft, den Blutzucker zu regulieren. Zusätzlich ist regelmäßiges Krafttraining sehr wirksam.
  • Die richtige Essreihenfolge: Erst Ballaststoffe (Gemüse, Salat), dann Eiweiß und Fette, zuletzt Kohlenhydrate – das verlangsamt die Glukoseaufnahme.
  • Vollkorn statt Weißmehl – Süßes nur nach der Mahlzeit: Komplexe Kohlenhydrate statt einfacher Zucker. Wer Süßes nicht komplett verzichten möchte: besser direkt nach einer Hauptmahlzeit anstatt als Snack zwischendurch.

Wer unter Stress zu Heißhunger neigt: Bitterstoffe (z. B. aus Artischocke, Löwenzahn) können dabei helfen, den Appetit zu regulieren. Fragen Sie dazu gern in Ihrem Reformhaus® vor Ort.

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Im Gespräch mit Dr. med. Winfried Keuthage: Alle Fragen und Antworten

Was hilft wirklich bei erhöhten Blutzuckerwerten, Insulinresistenz und Typ-2-Diabetes? Wie groß der Einfluss der Ernährung ist – und warum Hafer dabei eine besondere Rolle spielt. Diabetologe Dr. med. Winfried Keuthage gibt Antworten.

Immer mehr Menschen entwickeln Insulinresistenz oder Typ-2-Diabetes. Woran liegt das?

Das ist leider eine Folge unseres modernen Lebensstils. Wir bewegen uns deutlich weniger als früher, haben aber gleichzeitig rund um die Uhr Zugriff auf hochkalorische Nahrung. Besonders problematisch ist die ständige Verfügbarkeit von schnellen Kohlenhydraten und Zucker. Wenn Energieaufnahme und -verbrauch dauerhaft im Ungleichgewicht ist, speichert der Körper Fett – nicht nur unter der Haut, sondern auch in den Organen, vor allem in der Leber. Eine verfettete Leber ist der Haupttreiber für Insulinresistenz: Das Hormon Insulin wirkt nicht mehr richtig, der Blutzuckerspiegel steigt, und langfristig entwickelt sich daraus ein Typ-2-Diabetes.

Häufig heißt es dann: Sie müssen abnehmen. Warum ist Gewichtsreduktion medizinisch so wirksam?

Wenn wir abnehmen – und zwar richtig –, bauen wir das gefährliche Fett in der Leber und der Bauchspeicheldrüse ab. Sobald die Leber entfettet wird, verbessert sich die Insulinwirkung fast sofort. Schon eine moderate Gewichtsabnahme von fünf bis zehn Prozent kann ausreichen, um den Blutzucker massiv zu verbessern oder sogar einen beginnenden Diabetes wieder zurückzudrängen. Es geht also um eine echte Entlastung des Stoffwechsels.

Gleichzeitig erleben viele Menschen Abnehmen als extrem schwierig. Warum arbeitet der Körper scheinbar dagegen?

Unser Körper ist evolutionär auf Überleben programmiert, nicht auf Bikinifigur. Er verteidigt seine Energiereserven hartnäckig gegen Hungersnot. Wenn wir einfach nur weniger essen, schaltet er in den Sparmodus und fährt den Grundumsatz herunter. Dies ist in der Wissenschaft unter dem Begriff Set-Point-Theorie bekannt. Gleichzeitig sendet der Körper starke hormonelle Signale aus, die uns hungrig machen. Wenn es mit dem Abnehmen nicht klappen will, ist das meist kein Mangel an Willenskraft, sondern eine biologische Schutzreaktion. Deshalb funktionieren radikale Verzicht-Diäten langfristig fast nie. Wir müssen dem Körper geben, was er braucht, um satt und zufrieden zu sein, während wir gleichzeitig die Kalorien reduzieren und den Verbrauch erhöhen sollten.

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© Ines Heider

Dr. med. Winfried Keuthage 
Diabetologe, Ernährungsmediziner und Bestseller-Autor

Oft essen wir, obwohl wir eigentlich keinen echten Hunger haben. Woran erkennt man den Unterschied?

Wir unterscheiden den echten, biologischen Magenhunger vom emotionalen Kopfhunger oder Augenhunger. Echter Hunger entsteht langsam, man ist offen für verschiedene Lebensmittel, und er verschwindet nach dem Essen. Emotionaler Hunger kommt oft schlagartig, verlangt nach ganz spezifischen Dingen – meist Süßes oder Fettiges – und bleibt oft auch bestehen, wenn der Magen eigentlich voll ist. Es ist wichtig, diesen Unterschied zu kennen, weil wir oft aus Stress, Langeweile oder Gewohnheit essen. Wer lernt, nur bei echtem Hunger zu essen, spart oft hunderte Kalorien am Tag ein, ohne zu hungern.

Was fehlt dem Körper typischerweise bei Heißhunger?

Heißhunger ist oft ein Schrei des Körpers nach Energie oder Nährstoffen bei stark schwankendem Blutzucker. Wenn wir schnell verfügbare Kohlenhydrate wie Zucker und Weißmehl essen, schießt das Insulin hoch und lässt den Blutzucker danach rasant abstürzen. In diesem Tief meldet das Gehirn Alarm: Heißhunger! Oft fehlt es den Mahlzeiten auch schlicht an den Sättigungskomponenten Eiweiß und Ballaststoffe. Fehlt das Eiweiß, sucht der Körper so lange nach Nahrung, bis der Bedarf gedeckt ist – ein Effekt, der als Protein-Leverage-Hypothese bekannt ist. Eine eiweißreiche Ernährung ist daher der beste Schutz vor Heißhunger.

Sie beschäftigen sich seit Jahren intensiv mit Hafer. Was macht dieses Getreide aus medizinischer Sicht so besonders?

Hafer ist ein echtes Superfood, besonders bei Diabetes. Entscheidend ist das enthaltene Hafer-Beta-Glucan, ein löslicher Ballaststoff. Beta-Glucan bildet im Magen-Darm-Trakt eine Art Gel. Das verzögert die Aufnahme von Zucker ins Blut – die Blutzuckerspitzen nach dem Essen fallen flacher aus. Zusätzlich bindet es Gallensäuren und senkt so das Cholesterin. Hafer macht satt, liefert wertvolle Vitamine und pflanzliches Eiweiß.

Das Konzept der Hafertage ist über 100 Jahre alt – was sagt die heutige Wissenschaft dazu?

Carl von Noorden hat die Hafertage vor über 100 Jahren eingeführt. Moderne Studien bestätigen, dass schon zwei bis drei Hafertage die Insulinresistenz signifikant verbessern können. Die Insulinsensitivität der Zellen steigt oft für mehrere Wochen. Wir nutzen dieses Wissen heute gezielt als Stoffwechsel-Kickstart, um die Leber zu entlasten, hohe Blutzuckerwerte zu brechen und das Körpergewicht zu senken.

Wie empfehlen Sie Hafer konkret in der Praxis?

Ich empfehle den klassischen Haferbrei bzw. Porridge, zubereitet mit Wasser, Brühe, Milch oder Pflanzendrink. Wichtig ist die Menge: Wir brauchen eine relevante Dosis an Beta-Glucan. Wer Hafertage macht, isst dreimal täglich eine Hafermahlzeit – ergänzt mit etwas Gemüse oder zuckerarmem Beerenobst, um den Effekt zu maximieren. Im Alltag sollte Hafer täglich auf dem Speiseplan stehen. Er kann in sehr vielen Rezepten eingebaut werden.

Sie haben mit der HAWEI-Methode ein eigenes Konzept entwickelt. Worin liegt der Kern dieser Methode?

Die HAWEI-Methode kombiniert Hafer und Eiweiß. Wir nutzen die blutzuckerstabilisierenden Eigenschaften des Hafers und verbinden sie mit der hohen Sättigungskraft von Eiweiß. Das Eiweiß schützt gleichzeitig auch die Muskulatur während des Abnehmens und kurbelt den Energieverbrauch an. Häufig starten wir mit Hafer- oder HAWEI-Tagen, um die Insulinresistenz zu durchbrechen, und gehen dann in eine Ernährung über, die reich an gutem Eiweiß und komplexen Kohlenhydraten ist. So lassen sich Jojo-Effekte vermeiden.

Was raten Sie Menschen, die jetzt konkret etwas für ihren Stoffwechsel tun möchten?

Fangen Sie an – aber überfordern Sie sich nicht. Mit drei einfachen Schritten lässt sich viel erreichen. Erstens: Integrieren Sie täglich Hafer, sodass Sie auf mindestens vier Gramm Hafer-Beta-Glucan kommen. Zweitens: Achten Sie darauf, dass jede Hauptmahlzeit eine Eiweißquelle enthält, zum Beispiel Quark, Hülsenfrüchte, Fisch oder Eier. Und drittens: Bewegen Sie sich regelmäßig – trainieren Sie Ausdauer und vor allem auch Kraft. Wichtig ist, einen Weg zu wählen, der sich dauerhaft umsetzen lässt.

HAWEI-Shake: Therapeutisch wirksame Beta-Glucan-Dosis einfach integriert

Für messbare Wirkungen auf Blutzucker und Cholesterin werden täglich 3–4 g Hafer-Beta-Glucan benötigt. Allein über Müsli oder Porridge ist diese therapeutisch relevante Menge im Alltag kaum zu erreichen – dafür wären rund aqcht bis zehn gehäufte Esslöffel Haferflocken täglich nötig.

Auf Basis der HAWEI-Methode hat Dr. Keuthage gemeinsam mit dem Hersteller Dr. Wolz einen Shake entwickelt, der durch eine spezielle Hafersorte einen besonders hohen Beta-Glucan-Gehalt liefert. Der enthaltene Eiweißanteil sorgt zudem für gute Sättigung – bei gleichzeitig niedriger Kalorienmenge. Eine praktische Lösung für den Alltag.

Ginseng bei Diabetes

Der Asiatische Ginseng (Panax ginseng) wird seit Jahrtausenden in der traditionellen Medizin eingesetzt. Wissenschaftliche Untersuchungen liefern Hinweise darauf, dass Ginseng-Extrakte den Blutzuckerstoffwechsel unterstützen und die Insulinsensitivität positiv beeinflussen können. Ginseng ist kein Ersatz für ärztlich verordnete Diabetestherapie, kann aber als ergänzende Maßnahme genutzt werden.

Unser Tipp: KGV Roter Ginseng

Auf einen Blick

  • ✓ Insulinresistenz ist häufig reversibel – Ernährung und Bewegung sind die wirksamsten Hebel.
  • ✓ 5–10 % Gewichtsabnahme können den Blutzucker bereits massiv verbessern.
  • ✓ Lebensmittel mit niedrigem GI (< 55) halten den Blutzucker stabil – Vollkorn, Hülsenfrüchte, Gemüse und Beeren sind erste Wahl.
  • ✓ Hafer-Beta-Glucan trägt dazu bei, den Blutzucker nach dem Essen weniger stark ansteigen zu lassen.
  • ✓ Täglich mindestens 4 g Beta-Glucan anstreben – über Porridge, Rezepte oder Shake.
  • ✓ Eiweiß zu jeder Hauptmahlzeit schützt vor Heißhunger und bremst den Blutzuckeranstieg.
  • ✓ Stress und Schlafmangel erhöhen den Blutzucker unabhängig von der Ernährung.
  • ✓ Krafttraining ist mindestens genauso wichtig wie Ausdauer: Muskeln nehmen Glukose direkt auf.
  • ✓ Bei bestehender Diabetesmedikation: Änderungen immer mit Arzt oder Ärztin abstimmen.

Häufige Fragen : Insulinresistenz, Diabetis, Hafertage und HAWEI-Methode

Was ist der Unterschied zwischen Insulinresistenz und Typ-2-Diabetes?

Insulinresistenz ist eine Vorstufe: Die Körperzellen reagieren schlechter auf Insulin, weshalb die Bauchspeicheldrüse immer mehr davon produziert. Hält dieser Zustand an und erschöpft sich die Insulinproduktion, spricht man von Typ-2-Diabetes. Insulinresistenz ist – besonders im frühen Stadium – oft durch Ernährungsumstellung und Gewichtsabnahme umkehrbar.

Kann man Typ-2-Diabetes rückgängig machen?

Studien zeigen, dass Typ-2-Diabetes in einem frühen Stadium durch deutliche Gewichtsabnahme und Ernährungsumstellung in eine Remission gebracht werden kann. Ob und wie das möglich ist, hängt von Dauer und Schwere der Erkrankung ab und wird immer gemeinsam mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt entschieden.

Was sind Hafertage und für wen sind sie geeignet?

Bei Hafertagen isst man zwei bis drei Tage lang dreimal täglich eine Hafermahlzeit, ergänzt durch Gemüse oder Beerenobst. Studien zeigen, dass bereits wenige Hafertage die Insulinsensitivität spürbar verbessern können. Wichtig: Menschen, die Diabetesmedikamente einnehmen, sollten Hafertage nur in Absprache mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt durchführen.

Wie viel Hafer-Beta-Glucan brauche ich täglich?

Für eine spürbare Wirkung auf den Blutzucker nach dem Essen werden mindestens 4 g Beta-Glucan aus Hafer pro Mahlzeit empfohlen. Für die Wirkung auf den Cholesterinspiegel reichen 3 g täglich. Das entspricht ca. acht bis zehn gehäuften Esslöffeln Haferflocken – oder einem spezialisierten Produkt wie dem HAWEI-Shake.

Was ist die HAWEI-Methode?

HAWEI steht für Hafer und Eiweiß. Das Konzept von Diabetologe Dr. Keuthage kombiniert die Wirkung von Hafer-Beta-Glucan auf den Blutzucker mit der sättigenden Kraft von hochwertigem Eiweiß. Zunächst werden oft Hafer- oder HAWEI-Tage als Stoffwechsel-Kickstart eingesetzt, dann folgt eine dauerhaft eiweißreiche, haferbasierte Ernährung.

Hilft Ginseng bei Diabetes?

Asiatischer Ginseng wird auf mögliche positive Wirkungen auf den Blutzuckerstoffwechsel untersucht. Aktuelle Studien liefern Hinweise auf eine Unterstützung der Insulinsensitivität. Ginseng kann als ergänzende Maßnahme genutzt werden, ersetzt aber keine ärztliche Behandlung.

Welche Rolle spielt Bewegung bei Insulinresistenz?

Bewegung – besonders Krafttraining – ist neben Ernährung der wichtigste Faktor. Muskeln sind die größten Glukoseverbraucher des Körpers: Je mehr Muskelmasse, desto mehr Glukose kann direkt aufgenommen werden. Schon ein kurzer Spaziergang von fünf bis zehn Minuten nach dem Essen senkt den Blutzucker spürbar.

Zum weiterlesen

In Abnehmen mit der HAWEI-Methode beschreibt der Diabetologe und Bestsellerautor Dr. med. Winfried Keuthage sein Ernährungskonzept, das Hafer und Eiweiß kombiniert, und auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert. Weitere Infos unter www.hawei.online

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