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Spermidin – der ewige Jungbrunnen?
Was der natürliche Kraftstoff in unserem Körper bewirkt

© bit245 / gettyimages.de
[Veröffentlicht: 19.10.2023 | Aktualisiert: 28.05.2026]
Jungbrunnen für die Zellen: Wie Spermidin die körpereigene Verjüngung aktiviertLänger jung bleiben, gesund altern und den Körper von biologischem Ballast befreien – die moderne Langlebigkeitsforschung hat ein faszinierendes Molekül im Visier: Spermidin. Obwohl der Name im ersten Moment überrascht, steckt dahinter ein körpereigener Baustein mit einer bahnbrechenden Aufgabe. Er wirkt wie ein Zündschlüssel für die sogenannte Autophagie – das körpereigene Recyclingprogramm, das alternde Zellen generalsaniert.
Doch wie viel Potenzial steckt wirklich in der Substanz, und wie lässt sie sich im Alltag nutzen? Wir haben bei einem der führenden Experten für Naturheilkunde nachgefragt: Prof. Dr. Andreas Michalsen erklärt im Interview, wie Spermidin wirkt, warum es eng mit dem Intervallfasten verwandt ist und wie wir unsere Zellen ganz natürlich unterstützen können.
Spermidin: Das Wichtigste auf einen Blick
- Was ist Spermidin? Ein natürliches sogenanntes Polyamin. Es handelt sich um einen körpereigenen Baustein, der in fast allen lebenden Zellen vorkommt.
- Der Fokus der Wissenschaft: Spermidin steht seit einigen Jahren im Zentrum der internationalen Alters- und Ernährungsforschung. Wissenschaftler untersuchen intensiv seine Rolle bei zellulären Prozessen.
- Zusammenhang mit der Autophagie: In der Forschung wird Spermidin häufig im Kontext der sogenannten Autophagie (dem zellulären Recyclingprozess) genannt, deren Mechanismen Gegenstand zahlreicher aktueller Studien sind.
- Verbindung zum Fasten: Da beim Fasten ähnliche zelluläre Prozesse erforscht werden, gilt die Kombination aus bewussten Fastenphasen und spermidinreichen Lebensmitteln in der Ernährungslehre als spannender Ansatz.
- Natürliche Quellen: Besonders hohe Konzentrationen des Stoffs weisen ungekeimte Weizenkeime auf. Auch reifer Käse, Sojabohnen und Pilze enthalten Spermidin von Natur aus.
- Warum das Interesse? Da sich die Konzentration von Polyaminen im Gewebe im Laufe des Lebens verändert, ist die gezielte Zufuhr über die Ernährung oder spezielle Extrakte ein großes Thema in der modernen Vitalstoff-Forschung.
Welche gesundheitlichen Effekte hat Spermidin?
Neben seinen aufbauenden und antioxidativen Eigenschaften hat Spermidin vor allem positive Effekte auf die Autophagie. Die Autophagie ist ein körpereigenes Zellreinigungsprogramm, mit dem alte, nicht mehr funktionsfähige Zellbausteine zerlegt und wiederverwertet werden. Autophagieforscher sprechen tatsächlich auch vom Schrottrecycling in der Zelle.
Und Spermidin kann die Autophagie, die Zellerneuerung, verstärken?
Die Aktivität der Autophagie nimmt, genauso wie die Blutkonzentration von Spermidin, mit dem Lebensalter ab. Durch ein Ankurbeln der Autophagie können Alterungsprozesse abgebremst werden. In bisherigen Studien ist gut belegt, dass Spermidin die Autophagie stimuliert. Jetzt geht es in wissenschaftlichen Studien um die Frage, ob sich eine Nahrungsergänzung mit Spermidin tatsächlich günstig auf chronische, altersbedingte Erkrankungen auswirkt.
Ist der Mechanismus ähnlich wie beim Fasten, das ja auch die Autophagie fördert?
Die natürliche Autophagie im Körper verstärkt sich besonders bei längeren Essenspausen, das ist richtig. Und Spermidin scheint einen ganz ähnlichen Effekt zu haben, der vermutlich fast so stark ist wie beim Fasten. Man spricht daher wissenschaftlich auch von Fastenmimetika.
Wie können wir uns ausreichend mit Spermidin versorgen?
Spermidinreiche Nahrungsmittel sind beispielsweise Weizenkeime, gereifter Käse, gereifte Sojaprodukte (Natto, Tempeh), Äpfel, Birnen, Erbsen, Pilze, Brokkoli, Vollkorngetreide - um die wichtigsten zu nennen. Die Mittelmeerkost ist eine spermidinreiche Ernährungsform. Als Nahrungsergänzung wird Spermidin heute überwiegend aus Weizenkeimextrakt gewonnen. Auch Weizenkeime direkt ins Müsli sind eine gute Möglichkeit.
Wie ist aktuell der Stand der Forschung?
Wissenschaftlich belegt ist, dass die Spermidinkonzentration im Alter nachlässt, und dass wiederum Menschen, die sehr gesund alt geworden sind, gesunde Hundertjährige, auffallend hohe Spermidin-Blutspiegel haben. Darüber hinaus wurden die meisten Studien im Labor und mit Tieren durchgeführt, sodass die Wirkung noch nicht sicher einzuordnen ist. Es gibt aber starke Hinweise, dass es günstig bei Herzschwäche, beginnender Demenz und Konzentrationsstörungen sowie leichten depressiven Zuständen ist. In den nächsten Jahren werden hierzu weitere Studien erwartet.

Unser Experte: Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt der Naturheilkunde im Immanuel Krankenhaus Berlinv
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Autorin: Doreen Thal-Henschel





