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Herzgesundheit: Warum das weibliche Herz eine andere Vorsorge braucht

Papierschnitt Aufbau des Herzens

© Carol Yepes / gettyimages.de

[Veröffentlicht: 03.06.2026]

Inhaltsverzeichnis

  • Gendermedizin: Wenn das Herz anders reagiert
  • Die Risikofaktoren: Was das Herz-Kreislauf-System belastet
  • Herzinfarkt und Bluthochdruck: Die feinen Unterschiede
  • 3 Fragen an… Frau Dr. med. Catharina Hamm
  • Prävention im Alltag: So schützen Sie Ihr Herz
  • Individuelle Vorsorge: Kennen Sie Ihre Wunschwerte?
  • Natürliche Unterstützung aus dem Reformhaus®

Gendermedizin: Wenn das Herz anders reagiert

Man könnte meinen, ein Herz ist ein Herz – unabhängig vom Geschlecht. Dem ist aber nicht so. Die Gendermedizin hat in den vergangenen Jahren deutlich gemacht, dass Männer- und Frauenherzen anatomisch, hormonell und zellulär unterschiedlich funktionieren.

Frauen haben im Durchschnitt ein kleineres Herz, dünnere Herzkranzgefäße und reagieren sensibler auf Veränderungen im Gefäßsystem. Hinzu kommt ein strukturelles Problem in der Wissenschaft: Viele medizinische Studien basierten lange Zeit überwiegend auf männlichen Teilnehmern. Dieser sogenannte „Gender Data Gap“ hat bis heute Auswirkungen auf die Diagnose und Therapie von Patientinnen.

Frauen unterschätzen ihr Risiko für Herzerkrankungen

Obwohl Frauen in der westlichen Welt statistisch gesehen seltener einen Herzinfarkt erleiden als Männer, sterben sie häufiger daran. Ein wesentlicher Grund hierfür ist, dass die Symptome oft unspezifischer sind und Betroffene viel zu spät medizinische Hilfe suchen. Zudem zeigt die Praxis eine gravierende Fehleinschätzung: In Umfragen halten viele Frauen das Risiko, an einer Krebserkrankung zu sterben, für weitaus höher als das Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung.

Die Risikofaktoren: Was das Herz-Kreislauf-System belastet

Die Ursachen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind vielschichtig. Zu den klassischen, die Gefäße belastenden Faktoren zählen:

  • Rauchen und Vapen
  • Bewegungsmangel
  • Ungesunde Ernährung und Übergewicht (Adipositas)
  • Bluthochdruck und erhöhte Blutfettwerte
  • Diabetes mellitus
  • Chronischer Stress

Hormone und Lebensphasen beeinflussen das Risiko

Neuere Forschungen zeigen, dass diese Risiken das weibliche Herz teils drastischer betreffen. So hat ein Diabetes mellitus bei Frauen einen deutlich stärkeren negativen Einfluss auf das Herz-Kreislauf-Risiko als bei Männern. Auch leicht erhöhte Blutdruckwerte können bei Frauen gravierendere Folgen für das Gefäßsystem haben.

Eine entscheidende Rolle spielen die Hormone: Bis zur Menopause sind Frauen durch den positiven, gefäßschützenden Einfluss der Östrogene meist gut geschützt. In und nach den Wechseljahren sinkt dieser Hormonspiegel, wodurch das Risiko ansteigt.

Tipp aus dem Reformhaus®: Zum Thema Hormone und Menopause empfehlen wir das Reformhaus® Wissen kompakt „Wechseljahre“. Fragen Sie einfach in Ihrem Reformhaus® vor Ort danach.

Herzinfarkt und Bluthochdruck: Die feinen Unterschiede

Besonders deutlich werden die geschlechtsspezifischen Unterschiede beim akuten Herzinfarkt. Während bei Männern häufig das klassische Bild mit starken, in den linken Arm ausstrahlenden Brustschmerzen auftritt, äußern sich die Beschwerden bei Frauen oft uneindeutiger.

Typische Symptome eines Herzinfarkts bei Frauen:

  • Atemnot und Luftnot
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Rückenschmerzen oder Oberbauchbeschwerden
  • Extreme, plötzliche Müdigkeit

3 Fragen an … Frau Dr. med. Catharina Hamm

Aus Sicht der Gendermedizin: Welches sind die drei bedeutendsten Unterschiede zwischen Männern und Frauen beim Thema Herzgesundheit?

Aus gendermedizinischer Sicht sehen wir drei zentrale Unterschiede:Erstens unterscheiden sich die Symptome – und damit auch die Wahrnehmung. Männer haben bei einem Herzinfarkt häufig das „klassische“ Bild mit Brustschmerz. Frauen dagegen zeigen oft unspezifischere Beschwerden wie Müdigkeit, Luftnot, Übelkeit oder Rückenschmerzen. Gleichzeitig sind Frauen für das Thema Herzgesundheit deutlich weniger sensibilisiert – viele bringen ihre Symptome gar nicht mit dem Herzen in Verbindung. Das führt dazu, dass Herzprobleme bei Frauen häufiger übersehen oder später erkannt werden.

Zweitens gibt es Unterschiede in der Art der Erkrankung. Bei Frauen sind häufiger die kleineren Gefäße des Herzens betroffen oder es kommt zu funktionellen Störungen. Zudem spielt bei Frauen auch die psychische Belastung eine größere Rolle: Starker emotionaler Stress kann das Herz direkt beeinflussen – bekannt ist hier das sogenannte „Broken-Heart-Syndrom“, das tatsächlich überwiegend Frauen betrifft.

Und drittens spielt der Hormonstatus eine entscheidende Rolle. Östrogene wirken bis zu den Wechseljahren gefäßschützend. Danach steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen deutlich an – und nähert sich dem der Männer an.

Wenn Sie die Risiken betrachten: Worauf sollten Frauen ganz besonders achten, wenn Sie ihre Herzgesundheit nicht gefährden wollen?

Frauen unterschätzen ihr persönliches Herzrisiko nach wie vor – und genau das ist eines der größten Probleme.

Besonders wichtig ist es, typische Risikofaktoren ernst zu nehmen, auch wenn sie zunächst „unspektakulär“ wirken: Bluthochdruck, erhöhte Blutzuckerwerte oder ungünstige Cholesterinwerte werden bei Frauen oft später erkannt oder weniger konsequent behandelt. Ebenso entscheidend ist ein gesunder Lebensstil – dazu gehört, nicht zu rauchen und auch auf das Vapen zu verzichten sowie frühzeitig auf ein stabiles, gesundes Körpergewicht zu achten.

Ein weiterer zentraler Punkt ist chronischer Stress. Viele Frauen leben in einer dauerhaften Mehrfachbelastung zwischen Beruf, Familie und Verantwortung für andere. Dieser anhaltende Stress wirkt direkt auf das Herz – nicht nur emotional, sondern auch biologisch.

Hinzu kommen frauenspezifische Risikofaktoren, die lange unterschätzt wurden. Komplikationen in der Schwangerschaft, wie Schwangerschaftsdiabetes oder Bluthochdruck, sind wichtige Warnsignale für ein später erhöhtes Herzrisiko.

Und vielleicht am wichtigsten: den eigenen Körper ernst nehmen. Frauen neigen dazu, Symptome zu relativieren oder „wegzuerklären“. Hier gilt: lieber einmal zu viel hinschauen als einmal zu spät reagieren.

Wie sieht Ihre Hitliste der Präventionsmaßnahmen aus. Die Top 3 für Männer und die Top 3 für Frauen?

Top 3 für Frauen:

  • Bewegung – inklusive regelmäßigem Krafttraining: Ausdauer ist wichtig, aber Krafttraining wird oft unterschätzt und immer wichtiger je älter wir werden. Es stabilisiert den Stoffwechsel, unterstützt den Hormonhaushalt und ist ein zentraler Schutzfaktor für Herz und Gefäße – gerade für Frauen.
  • Konsequentes Stressmanagement: Entspannung, Schlaf und bewusste Pausen sind keine Nebensache, sondern entscheidend für die Herzgesundheit.
  • Regelmäßige Vorsorge – besonders ab den Wechseljahren: Blutdruck, Blutzucker und Cholesterin sollten aktiv im Blick behalten werden.

Top 3 für Männer:

  • Frühe Kontrolle klassischer Risikofaktoren: Bluthochdruck, erhöhte Blutfette und Übergewicht treten oft früher auf – hier ist konsequentes Gegensteuern entscheidend.
  • Mehr Bewegung im Alltag: Weniger Sitzen, mehr Aktivität – das hat einen direkten Effekt auf das Herz.
  • Bewusste Ernährung: Weniger Zucker und stark verarbeitete Lebensmittel, dafür mehr pflanzenbasierte, ausgewogene Kost.
Dr. med. Catharina Hamm

© sabinaradtke

Dr. med. Catharina Hamm 
Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie, Gendermedizinerin in Bad Nauheim

Prävention im Alltag: So schützen Sie Ihr Herz

Die positive Nachricht lautet: Ein Großteil der Herz-Kreislauf-Probleme lässt sich durch einen gesundheitsbewussten Lebensstil aktiv vermeiden. Die Basis für vitale Gefäße bildet ein bewährter Dreiklang:

1. Herzgesunde Ernährung

Eine herzgesunde Ernährungsweise orientiert sich idealerweise an einer vollwertigen, überwiegend vegetarischen Kost. Dazu gehören:

  • Reichlich Gemüse, frisches Obst und ballaststoffreiche Vollkornprodukte.
  • Hochwertige pflanzliche Öle mit wertvollen Fettsäuren (z. B. Olivenöl, Leinöl).
  • Nüsse und Samen als natürliche Nährstofflieferanten.
  • Ein reduzierter Konsum von rotem Fleisch sowie raffiniertem Zucker.

2. Bewegen, bewegen, bewegen!

Körperliche Aktivität unterstützt die Elastizität der Gefäße und stärkt den Herzmuskel. Studien zeigen, dass Frauen im Verhältnis sogar besonders stark von Sport profitieren. Empfohlen wird eine Kombination aus Ausdauertraining (wöchentlich 150 bis 300 Minuten bei moderater Intensität) und gezieltem Krafttraining (mindestens 1–2 Mal pro Woche) zum Erhalt der stoffwechselaktiven Muskulatur.

3. Stress reduzieren und Regeneration fördern

Chronischer Stress und emotionale Überlastung treiben den Blutdruck in die Höhe. Frauen sind zudem besonders vom sogenannten „Broken-Heart-Syndrom“ betroffen – einer akuten Herzfunktionsstörung, die durch extremen psychosozialen Stress ausgelöst werden kann. Entspannungstechniken, ausreichende Ruhephasen und erholsamer Schlaf sind daher elementar.

Schlaf-Tipp: Vertiefende Informationen für erholsame Nächte finden Sie im Reformhaus® Wissen kompakt „Guter Schlaf“. Fragen Sie einfach in Ihrem Reformhaus® nach. Mit diesem Schlafratgeber erhalten Sie wertvolle Orientierung für bessere Nächte – verständlich erklärt und mit vielen hilf reichen Impulsen für einen erholsamen Schlaf

Individuelle Vorsorge: Kennen Sie Ihre Wunschwerte?

Moderne Prävention bedeutet, die eigenen Werte zu kennen und das individuelle Risiko richtig einzuschätzen. Neben regelmäßigen Blutdruckkontrollen und der Gewichtskontrolle gehören standardisierte Laborparameter zur fundierten Gesundheitsvorsorge. Für Frauen ist es wichtig, gynäkologische Aspekte in die Herzvorsorge einzubeziehen – etwa Schwangerschaftserkrankungen oder hormonelle Veränderungen.

Laut der Expertin Dr. med. Catharina Hamm gelten im Rahmen der Vorsorge folgende medizinische Wunschwerte für das Blutbild:

ParameterZielwertBedeutung
Gesamtcholesterin< 190 mg/dl (5,0 mmol/l)Orientierungswert für die gesamten Blutfette.
HDL-CholesterinFrauen: > 50 mg/dl (1,3 mmol/l)Gilt traditionell als gefäßschützendes Cholesterin.
Männer: > 40 mg/dl (1,2 mmol/l)
LDL-Cholesterin< 116 mg/dl (3,0 mmol/l)Wichtig für die Beurteilung von Gefäßablagerungen.
Non-HDL-Cholesterin< 130 mg/dl (3,4 mmol/l)Gesamtes Cholesterin abzüglich des HDL-Anteils.
apoB (Apolipoprotein B)< 90 mg/dlGilt als präzisester Indikator zur Einschätzung des Herz-Kreislauf-Risikos.
Lp(a) (Lipoprotein klein a)< 30 mg/dlEin weitgehend genetisch vorgegebener Risikofaktor.
Triglyceride (nüchtern)< 150 mg/dl (1,7 mmol/l)Neutrale Fette im Blut; Indikator für den Fettstoffwechsel.

Natürliche Unterstützung aus dem Reformhaus® 

Ergänzend zu einer ausgewogenen Ernährung und einem aktiven Lebensstil finden Sie in Ihrem Reformhaus® hochwertige, sorgsam ausgewählte Produkte, die Ihr Wohlbefinden und Ihre Vitalität begleiten können:

Weiterführende Literatur-Tipps:

  • Dr. med. Catharina Hamm: „Save your heart – Starte deinen Weg in ein herzgesundes Leben“ (dtv Taschenbuch).
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  • Dr. med. Franziska Rubin: „Gegen Bluthochdruck“ aus der Reihe „Meine Gesundheitsretter aus der Natur“ (Gräfe und Unzer).
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Häufig gestellte Fragen zur Herzgesundheit (FAQ)

Warum ist die Herzgesundheit bei Frauen ein eigenständiges Thema?

Frauenherzen und Frauen-Herzkranzgefäße sind anatomisch im Durchschnitt kleiner als die von Männern. Zudem reagiert der weibliche Körper hormonell ganz anders. Bis zu den Wechseljahren sorgt das Hormon Östrogen für einen guten Gefäßschutz; danach sinkt der Spiegel und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt deutlich an. Die Gendermedizin erforscht diese feinen Unterschiede, da Frauen aufgrund des „Gender Data Gap“ in der Vergangenheit oft ungenauer diagnostiziert wurden.

Welche untypischen Symptome deuten bei Frauen auf einen Herzinfarkt hin?

Während Männer häufig den „klassischen“ Brustschmerz zeigen, der in den linken Arm ausstrahlt, fehlt dieses eindeutige Zeichen bei Frauen oft. Ein Herzinfarkt äußert sich bei Frauen viel häufiger durch unspezifische Beschwerden wie Atemnot, plötzliche Übelkeit und Erbrechen, unerklärliche Rückenschmerzen, Oberbauchbeschwerden oder eine extreme, plötzliche Müdigkeit. Da diese Symptome leicht unterschätzt werden, kommen Frauen oft viel zu spät in Behandlung.

Was ist das Broken-Heart-Syndrom?

Das sogenannte „Broken-Heart-Syndrom“ ist eine akute Herzfunktionsstörung, die einer schweren Herzerkrankung ähnelt, jedoch primär durch extremen emotionalen oder psychosozialen Stress ausgelöst wird. Die psychische Belastung wirkt hierbei direkt auf das biologische System des Herzens. Statistisch gesehen sind überwiegend Frauen von diesem Phänomen betroffen.

Welcher Laborwert gilt als genauester Indikator für das Herz-Kreislauf-Risiko?

Neben den klassischen Werten wie dem LDL- und HDL-Cholesterin gilt der sogenannte apoB-Wert (Apolipoprotein B) als der präziseste Indikator im Blutbild, um das persönliche Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verlässlich einzuschätzen. Laut der Expertin Dr. med. Catharina Hamm liegt der medizinische Wunschwert hierfür bei unter 90 mg/dl.

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Autor:in: Thomas Götemann