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Chronobiologie – nutzen Sie das Potenzial Ihrer inneren Uhr

© Olga Kurbatova / gettyimages.de
Welcher Chronotyp sind Sie? – Testen Sie Ihren persönlichen Biorhythmus
Jetzt testen!Die innere Uhr: So nutzen wir ihr Potenzial
Unser Körper tickt nach einem festen Rhythmus. Wer ihn versteht, lebt gesünder, fokussierter und entspannter. Prof. Dr. Angela Relógio zeigt, wie wir unsere innere Uhr stärken – mit einfachen Anpassungen im Alltag.
Warum ist die innere Uhr für unsere Gesundheit so wichtig – und warum rückt das Thema immer mehr in den Fokus?
Unsere innere Uhr steuert nahezu alle zentralen Körperfunktionen im 24-Stunden-Rhythmus. Sie sorgt dafür, dass unser Körper optimal auf den Tag-Nacht-Wechsel abgestimmt ist. Wenn die äußeren Bedingungen nicht zu diesem inneren Takt passt, wirkt sich das auf Energie, Stimmung und langfristig auch auf die Gesundheit aus. Heute ist das Thema so präsent, weil unser natürlicher Rhythmus in der modernen Welt ständigen Störfaktoren ausgesetzt ist – Licht rund um die Uhr, digitale Geräte und ein Alltag, der selten konstant abläuft. Gleichzeitig zeigt die Forschung immer klarer, wie viel gesundheitlichen Nutzen gutes Timing bringt – oft schon durch kleine Anpassungen.

Prof. Dr. Angela Relógio
Molekularbiologin, Professorin an der MSH Medical School Hamburg, Expertin für zirkadiane Rhythmen, Autorin, Gründerin von TimeTeller
Was passiert in unserem Körper zu welcher Zeit?
Hormone, Temperatur, Stoffwechsel und zelluläre Prozesse folgen einem festen Muster: Cortisol steigt am Morgen an, Melatonin in der Nacht. Die Körpertemperatur ist tagsüber höher, nachts niedriger. Glukose verarbeiten wir morgens besser als spätabends. Und die Zellreparatur läuft vor allem nachts. Diese grundlegende zeitliche Organisation betrifft alle Menschen.
Warum lohnt es sich, den eigenen Chronotyp zu kennen?
Chronotypen beschreiben unsere natürliche Neigung zu eher frühen oder späten Aktivitäts- und Schlafzeiten – also ob wir „Lerche“, „Eule“ oder etwas dazwischen sind. Grob lässt sich das durch Selbstbeobachtung bestimmen, etwa indem man prüft, wann man an freien Tagen spontan einschläft und aufwacht, oder durch einfache Tests. Wenn wir Alltag und Arbeitszeiten stärker an diesen natürlichen Rhythmus anlehnen, unterstützt das Energie und Leistungsfähigkeit – und beugt gesundheitlichen Problemen vor. Für medizinisch präzisere Empfehlungen werden in der Forschung biologische Profile genutzt, etwa durch den Speicheltest TimeTeller, der tageszeitabhängige Rhythmen sehr genau erfassen kann.
Viele Menschen haben das Gefühl, „aus dem Takt“ zu sein …
Unsere innere Uhr gerät vor allem dann aus dem Gleichgewicht, wenn Schlaf- und Wachzeiten immer wieder variieren, wenn wir abends viel helles oder blauhaltiges Licht nutzen – etwa durch späte Bildschirmzeit – oder wenn wir sehr unregelmäßig essen. Lebensrhythmen, die nicht zu unserer biologischen Zeit passen, führen zu sozialem Jetlag, also einer ständigen Verschiebung zwischen gesellschaftlichem Zeitplan und innerer Uhr. Dann fühlen wir uns müde, unruhig und „aus dem Takt“.
Was sind sogenannte „Zeitgeber“ und wie können wir sie nutzen?
Zeitgeber sind äußere Signale, die unseren Rhythmus immer wieder synchronisieren. Der wichtigste davon ist Licht, aber auch Mahlzeiten, körperliche Aktivität und soziale Interaktionen wirken zeitgebend. Wenn wir regelmäßig morgens natürliches Licht aufnehmen, zu ähnlichen Zeiten essen und uns tagsüber ausreichend bewegen, geben wir unserer inneren Uhr klare zeitliche Orientierung. Sie kann sich dann leichter stabilisieren.
Schlaf und innere Uhr beeinflussen sich – wie lässt sich dieser Kreislauf stärken?
Indem wir auf feste Schlafenszeiten und die Zeitgeber achten. Morgens Licht und Aktivität, abends allmählich zur Ruhe kommen und das Licht dimmen. Gleichzeitig hilft ein achtsamer Umgang mit späten Reizen wie Koffein oder schweren Mahlzeiten, den Schlaf nicht zu stören. Oft reichen schon kleine, konsequente Schritte, um diesen Kreislauf zu stabilisieren – etwa ein verlässliches Abendritual.
Wie können wir Licht ganz gezielt als Taktgeber im Alltag einsetzen?
Schon 20 Minuten morgens draußen bei hellem Tageslicht wirken wie ein Reset für die innere Uhr. Selbst an bewölkten Tagen ist natürliches Licht um ein Vielfaches stärker als künstliches Licht im Innenraum. Ein kurzer morgendlicher Spaziergang kombiniert Licht, Bewegung und mentale Aktivierung und ist damit einer der effektivsten Taktgeber. Auch tagsüber, vor allem bis etwa 14 Uhr profitieren wir von möglichst viel natürlichem Licht. Abends sollte das Licht möglichst warm sein, da helle und blauhaltige Beleuchtung und Bildschirme die Melatoninbildung verzögert und das Einschlafen erschweren kann. Mit dieser zeitlichen Steuerung von Licht lassen sich Rhythmus und Schlafqualität spürbar verbessern.
Welchen Einfluss hat unser Essen?
Das Timing unserer Mahlzeiten beeinflusst den Stoffwechsel stärker, als vielen bewusst ist. Wenn wir überwiegend in der aktiven Phase essen und ein konsistentes Essensfenster einhalten, arbeitet der Körper effizienter: Die Blutzuckerkontrolle ist stabiler, die Energie gleichmäßiger und der Schlaf erholsamer. Praktisch bedeutet das: ein gutes proteinhaltiges Frühstück, ein ausgewogenes Mittagessen und nur ein leichtes Abendessen. Späte, große Mahlzeiten dagegen bringen den Stoffwechsel und den Schlaf aus dem Rhythmus.
Und Sport – wann ist die beste Zeit für Bewegung?
Viele Menschen erreichen ihre körperliche Leistungsfähigkeit am Nachmittag oder frühen Abend, wenn Temperatur, Koordination und die entsprechenden Hormone günstig stehen. Morgendliche Bewegung kann dagegen den Stoffwechsel ankurbeln und ist besonders hilfreich für Menschen mit metabolischen Risiken. Entscheidend ist aber weniger die „perfekte“ Uhrzeit als die Regelmäßigkeit – und bei abendlichem Training darauf zu achten, dass es den Schlaf nicht beeinträchtigt.
Wie ist der Zusammenhang mit mentaler Gesundheit?
Wenn wir dauerhaft gegen unseren natürlichen Rhythmus leben, werden Stimmungsstörungen, einschließlich Depression und Angstzuständen begünstigt. Umgekehrt stabilisieren regelmäßige Tagesabläufe, gutes Lichtmanagement und ausreichender Schlaf die seelische Gesundheit. Deshalb wird auch etwa die Lichttherapie mit Tageslichtlampen begleitend bei psychischen Beschwerden eingesetzt. Wichtig ist dann, aus der Spirale aus psychischem Stress und gestörtem Rhythmus herauszufinden.
Was gilt besonders für Frauen?
Bei Frauen können hormonelle Veränderungen im Zyklus und später in den Wechseljahren den Schlaf-Wach-Rhythmus instabiler machen und den Schlaf leichter werden lassen. Deshalb ist es für viele Frauen wichtig, hier gezielt gegenzusteuern.
Wie wirkt sich ein gestörter Rhythmus langfristig aus?
Unsere innere Uhr koordiniert viele zentrale Reparatur- und Stoffwechselprozesse. Wenn die richtige Abstimmung über lange Zeit fehlt, arbeitet der Körper weniger effizient: Der Stoffwechsel wird anfälliger, Entzündungen nehmen zu und nächtliche Regenerationsmechanismen laufen nicht mehr optimal. Das erhöht auf Dauer das Risiko für Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Leiden, kognitive Beeinträchtigungen und Krebs. Eine verlässliche zeitliche Struktur entlastet den Körper nachhaltig.
Was verbindet die innere Uhr mit epigenetischen Prozessen?
Unsere Gene arbeiten nicht rund um die Uhr gleich, sondern folgen einem zeitlichen Muster. Epigenetische Markierungen, die sich durch Faktoren wie Licht, Ernährung oder Bewegung verändern können – beeinflussen, wie stark einzelne Gene zu bestimmten Tageszeiten aktiv sind. So entsteht ein enger Austausch zwischen innerer Uhr und Genregulation. Kurz gesagt unterstützt ein stabiler Lebensrhythmus die Aktivierung gesundheitsfördernder Gene zur richtigen Zeit.
Was bedeutet das für ein gesundes Altern?
Wenn alle Funktionen im 24-Stunden-Takt optimal ablaufen können, ist das ein großer gesundheitlicher Vorteil. Studien zeigen, dass Menschen mit stabilen Rhythmen häufig leistungsfähiger bleiben und seltener altersbedingte Beschwerden entwickeln. Ein guter Tagesrhythmus ist daher auch eine Investition in die Zukunft.
Gibt es eine Erkenntnis aus Ihrer Forschung, die Sie persönlich verändert hat?
Für mich war die wichtigste Einsicht: Zeit ist ein therapeutisches Werkzeug. Wann wir etwas tun, bestimmt mit, wie unser Körper darauf reagiert. Diese Perspektive hat auch meine eigene Tagesstruktur stark geprägt.
Buchtipp
Die Molekularbiologin Professor Dr. Angelo Relógio zeigt in ihrem Buch „Die Chrono-Strategie“, wie kleine Anpassungen im Alltag Großes bewirken können – basierend auf den neuesten Erkenntnissen der Chronobiologie.

5 Schritte für einen stabilen Rhythmus
- Zur gleichen Zeit schlafen und aufstehen
Regelmäßigkeit ist der stärkste Anker für die innere Uhr. - Morgens Licht, abends Ruhe
Natürliches Tageslicht am Morgen stabilisiert den Rhythmus – gedimmtes, warmes Licht am Abend erleichtert das Einschlafen. - Essen in der aktiven Phase
Ein gutes Frühstück und ein ausgewogenes Mittagessen stärken uns für den Tag. Abends reicht ein frühes, leichtes Essen. - Bewegung passend zur Tageszeit
Bewegung tagsüber signalisiert dem Körper: Es ist Aktivitätszeit. Am späteren Abend intensiven Sport eher vermeiden. - Störfaktoren reduzieren
Späte Bildschirmzeit, Koffein und üppige Mahlzeiten am Abend machen es der inneren Uhr schwerer, ihren Takt zu halten.
Unser Chronotyp-Test hilft Ihnen, Ihren persönlichen Biorhythmus besser zu verstehen. Beantworten Sie 6 kurze Fragen spontan und ehrlich. Am Ende erfahren Sie, ob Sie ein Morgentyp („Lerche“), ein Neutraler Typ oder ein Abendtyp („Eule“) sind – inklusive praxisnaher Tipps für Schlaf, Energie, Ernährung und Tagesplanung. So können Sie Ihre Leistungsfähigkeit gezielt anpassen und Ihren Tag optimal gestalten.
Welcher Chronotyp bin ich?
Beantworten Sie die 6 Fragen spontan und ehrlich.
A = 1 Punkt, B = 2 Punkte, C = 3 Punkte.
Hinweis: Der Test basiert auf etablierten Fragen aus der Chronobiologie und dient der Orientierung und ersetzt keine medizinische Diagnose.
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Autor:in: Doreen Thal-Henschel


